Nel Aerts | Joelle Dubois | William Anthony

20.10.18 bis 24.11.18

VERNISSAGE: 19.10.2018 18-21 Uhr

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Das Menschsein, die täglichen Probleme und Hürden des Alltags aber auch Fragestellungen, die sich in unserer modernen und schnelllebigen Gesellschaft ergeben, fließen in die Motiv- und Themenwahl der drei Künstler Nel Aerts, Joëlle Dubois und William Anthony mit ein. In plakativen und comic-artigen Bildern behandeln die Künstler humorvoll Themen wie Voyeurismus, Internetsucht, offen gelebte Sexualität, das Ständig-Verfügbar-Sein, Rassismus, Andersartigkeit, Individualität.
Heute sind Sehnsüchte und Träume andere, als noch vor einigen Jahren. Die Gesellschaft hat sich schnell zu einer digitalisierten, schadenfrohen und von zahlreichen banalen Problemen beherrschten Masse verändert. Die Vergangenheit und die Geschichte spielen nur noch eine Nebenrolle im Werk der drei Künstler. Es zählt das Hier und Jetzt, das alle auf ihre eigene Weise kritisch betrachten. Jedoch ist allen ein reduzierter, origineller Stil eigen. Es ist der Eintritt in eine komplexe, kritische und pointierte Bildwelt, welche die Banalität unserer Gesellschaft mit einem Schmunzeln auf den Lippen konterkariert.

NEL AERTS plakative und flächenhaft umgesetzte Motive wirken zunächst trivial und simpel, stellen aber gerade dadurch rezeptive Herausforderungen. Dabei spielt die belgische Künstlerin mit verschiedenen Materialien und Medien wie Zeichnungen, Stoffen und deren Textur. Sie kreiert in ihrem Arbeitsprozess Bilder, Installationen und Skulpturen. Ihre Formensprache ist reduziert und wirkt zunächst lustig, doch hinter der Fassade können ihre Figuren einsam und traurig sein, belastet mit den Herausforderungen des Alltags. Die Rolle des Menschen in der zeitgenössischen Kunst steht bei Aerts im Zentrum ihrer Arbeit. Ihre Rätselhaftigkeit, gepaart mit der Einfachheit der Formensprache, macht ihr Werk besonders spannend und interessant. Figuren, die an Computerspiele der 1980er erinnern, karikaturistische Frauen, die an einer Bar sitzen, angedeutete Räumlichkeiten, Ornamente auf Tapeten und Böden, Figuren aus geometrischen Formen zusammensetzt, simultan wirkende Perspektiven - all diese Elemente tragen zur Handschrift der Künstlerin bei: eine Mischung aus Poesie, Humor und Tragik, angereichert mit kunsthistorischen Verweisen, in ihre Arbeiten mit ein.

JOËLLE DUBOIS malt und illustriert. Die digitale Revolution und die dadurch veränderte Rolle des Menschen in unserer modernen Gesellschaft setzt sie malerisch mit einem Augenzwinkern um. Besonders das Voyeuristische hat es der im belgischen Gent geborenen Künstlerin angetan. Social Media Plattformen wie Instagram, Snapchat oder YouTube, Fernsehsendungen wie Big Brother oder Der Bachelor erfüllen den Wunsch des Menschen anderen bei ihrem Leid, ihrem Liebesleben, ihrem Scheitern aber auch ihren Erfolgen anonym zusehen zu können. Durch die Digitalisierung ist die Kommunikation untereinander schneller, zielstrebiger und auch interaktiver geworden. Damit einher geht aber auch, dass immer weniger Privatsphäre möglich ist, der Mensch sich offener und nackter präsentiert und dass im Grunde alles zunehmend oberflächlich, unpersönlich und anonym ist.
Diesem Themenkomplex widmet sich Dubois auf eine ironische und auch komische Weise mit Leidenschaft in ihren Werken. Sie zeigt ihre Protagonisten exponiert und ungeschönt mit einem drastischen Realismus, der in der digitalen Welt oft sehr verzerrt und unwahr ist. Indem sie behaarte, adipöse Frauen und Männer in kompromittierenden Positionen zeigt, betont sie ihre eigene starke Rolle als unabhängige und emanzipierte Frau und Künstlerin. Bei all dem ist sie selbst eine stille Beobachterin und schaut der Welt in ihrer eigenen Zurschaustellung eines eigenwilligen Perfektionismus zu.

WILLIAM ANTHONY erarbeitet seine Werke in einem comic-artigen Malstil. Er entwickelte im Lauf der Jahre ein Gesamtwerk, welches in dieser Art und Weise einzigartig ist. Es handelt sich um einfache Formen in witzigen Figuren versteckt, die Anthonys zeichnerisches Können zunächst verbergen. Der erste Blick auf die Welt des amerikanischen Künstlers mag verstörend sein. Bei genauerem Hinsehen jedoch kommen der Witz und die Ironie zum Vorschein, mit denen der Künstler seine Arbeiten spickt.
Die Beziehung Mensch zu Mensch, Frau zu Mann, Mann zu Frau, Mann zu Mann und Frau zu Frau spielen bei Anthony eine zentrale Rolle. Dabei fließen in satirischer Weise Zitate aus der Kunstgeschichte und Reflexionen über heutige Gesellschaftmodelle in seine Bilder mit ein. So entstehen kritische Kommentare zum modernen Leben in einer immer skurriler werdenden Gesellschaft. Anthonys Werke wirken oft grotesk, wahnwitzig und obszön. Sie sind jedoch immer von Witz und dem ironischen Blick auf das menschliche Dasein überlagert. Die feine Satire in Form comic-artiger Malerei zeichnet Anthony als nicht nachzuahmenden Meister des schwarzen Humors aus.

(Sabrina Tesch, 2018)


The motives and theme choice of the three artists Nel Aerts, Joëlle Dubois and William Anthony is influenced by the human condition, daily routine, problems and hurdles of a everyday life, but also issues that arise in our modern and fast paced society. In striking, cartoonish and comic-like images the artists humorously treat themes such as voyeurism, internet addiction, open-ended sexuality, constant availability, racism, otherness and individuality.
Today desires and dreams are others than twenty years ago. Society has rapidly changed into a digitized, malicious mass, dominated by numerous mundane problems. The past just palys a minor role in the work of the three artists. They focus on the immediate circumstances of the here and now and that is subjected to their critical consideration, examined in individual ways. However, all are characterised by a reduced, original style. This is the entry into a complex, critical and pointed imagery that thwarts the banality of our society with a smile on the lips.

NEL AERT's striking and flat motives seem trivial and simple at first, but they also present a receptive challenge. The Belgian artist plays with various materials and media such as drawings, fabrics and their texture. She creates images, installations and sculptures in her working process. Her formal language is reduced and seemingly funny, but underneath the exterior her characters can be lonely and sad, burdened with the challenges of everyday life. The role of the artist in contemporary art is the center of her work. Her puzzlement, coupled with the simplicity of the formal language, makes her work particularly exciting and interesting. Figures reminiscent of computer games from the 1980s, cartoon-like depictions of women seated at a bar, suggestive spaces, ornaments on wallpapers and floors, figures made of geometric shapes, simultaneous perspectives - all these elements add to the artist's signature: A mixture of poetry, humor and tragedy, enriched with art-historical references.

JOËLLE DUBOIS paints and illustrates. With a wink she transfers the digital revolution and the resulting role of humans in our modern society into her works. The Gent-born artist is especially interested in the voyeuristic aspect of digitalisation. Social Media Platforms such as Instagram, Snapchat or Youtube, television programs such as Big Brother or the Bachelor fulfill our desire to anonymously observe others in their suffering, their love life, their failures and also their successes. Digitalisation has made communication faster, more purposeful and interactive. However, this also goes along with the fact that less and less privacy is possible, and that one presents him/herself more openly and more naked to
everyone else. Basically communication is increasingly superficial, impersonal and anonymous. Dubois devotes herself with passion to this complex of topics in an ironic and also comical way. She depicts her protagonists in an exposed and unadorned manner, steeped in a drastic realism that often turns out to be very distorted and untrue in the digital world. By showing hairy, obese women and men in compromising positions, she emphasizes her own strong role as an independent and emancipated woman and artist. For all that, Dubois herself is a silent observer, watching the world in her own display of idiosyncratic perfectionism.

WILLIAM ANTHONY creates his works in a comic-like painting style. Over the years he has developed a unique body of work. Simple shapes covered by seemingly funny figures, which initially hide Anthony's drawing skills. The first glance into the world of the American artist may be disturbing. On closer inspection, however, the wit and the irony with which the artist imbues his works come to the fore. The relationship of persons play a central role in Anthony’s works. In a satirical fashion, quotations from art history and reflections on contemporary social models flow into his pictures. This leads to critical comments on modern life in an increasingly bizarre society. Anthony's works often seem grotesque, insane and obscene, yet they are always overlaid with humor and an ironic view on human existence. The fine satire in the form of comic book painting characterizes Anthony as an inimitable master of black humor.

 


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Nel Aerts / Joelle Dubois / William Anthony