Ulrich Pester

heute afk

03.03.18 bis 07.04.18

VERNISSAGE: 02. März 2018, 18 - 21 Uhr

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Ulrich Pester ist keinem in sich kohärenten Malstil verpflichtet, vielmehr bestimmt die stete Suche nach Ausdrucksformen sein Werk, das sich als eingehende Befragung der Möglichkeiten der Malerei erweist. Mit einem universellen Anspruch unterscheidet der Künstler weder zwischen High und Low, analog und digital, noch zwischen Alten Meistern und Pop, sondern absorbiert die gesamte verfügbare ikonografische Substanz und erprobt neue Zusammenhänge. Sein reichhaltiges Repertoire bildnerischer Mittel und Motive speist sich aus täglichen Beobachtungen, einfachen Dingen in der unmittelbaren Umgebung, aber auch aus eigenen Gemütszuständen. Dabei fließen Elemente aus Comic/Illustration, Typografie und Mode in sein Werk ein. Es geht um die Erforschung der Bildsprache schlechthin.

Die jüngsten Gemälde veranschaulichen die Annäherung an die digitale Ästhetik bzw. computergenerierte Formensprache. Gegenstände aus Pesters häuslicher Umgebung, wie ein mit Milch gefülltes Glas oder Bierflaschen sind Protagonisten mitunter spaßiger, an Slapstick gemahnender Szenen, die jedoch jenseits des ersten humorvollen Eindrucks eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Fragen des malerischen Bildaufbaus reflektieren. Mal statuarisch oder aufrecht wie ein Pokal, mal schräg gekippt lässt sich die weiße, reduzierte Form des Milchglases in der Interaktion mit rein abstrakten Farbbereichen räumlich nicht verorten. In einer Reihe, als deren gemeinsames Merkmal ein eckiger, die Bildfläche umgebender Buchstabe „G“ hervorsticht,  treten unterschiedlich positionierte Milchgläser auf. Eines ist umgekippt, die Milch sammelt sich in der unteren Beuge des „G“. Teilweise sind die Gemälde als Hochformat, teilweise als Querformat, mitunter auch schief gehängt. Auf einem anderen Werk wird eine Flasche in instabiler Rückbeuge von einer standfesteren Artgenossin angeschoben. Milchglas und Bierflasche werden bei Pester zu formalen Variablen, um das Verhältnis zwischen Vorder- und Hintergrund, den horizontalen und vertikalen Kompositionslinien, um die Raumanordnung des Bildes überhaupt auszuloten, sowie Farbzusammenklänge auszuprobieren.

Durch derartige Experimente mit räumlicher Wirkung, die den perspektivlosen Ansichten in Jump-and- Run Computerspielen nachgehen, sowie den ungebundenen Umgang mit den verschiedenen Medien, Stilrichtungen und ihren jeweils spezifischen Ausprägungen, werden Verbindlichkeiten aufgehoben und die medienspezifischen Konstanten erscheinen fragwürdig. Pester entkontextualisiert und rekombiniert malerische Versatzstücke: Ob Trompe l´oeil oder expressiver Gestus, Fotorealismus oder Comic: Durch Imitation und Simulation nimmt Pesters Malerei vielerlei Gestalten an. „Die Bilder dienen mir als Versuche, um einfache Phänomene und Beobachtungen zu analysieren und sie mir zu erklären. Ich zerteile die Dinge und setze sie wieder neu zusammen. Dabei suche ich nach Formen, die zwar ihrem eigentlichen Sinn, ihrer Physik enthoben wurden, die in ihrer Veränderung aber wiederum einen neuen Sinn oder eine neue Form ergeben, etwas Anderes, Komisches. Ich möchte den Dingen eine neue, eine zweite oder dritte Ebene geben, eine Ebene, die mir Dinge zeigt, wie sie nicht sind, aber (für mich) trotzdem sein müssen.“ (Pester) Als fragile und flexible Versuchsanordnungen gehen die Werke aus einer furchtlosen Aneignung von verschiedenen Stilen, dem Sampling aus diversen Quellen hervor. Mit der postmodernen Freiheit des „Anything goes“ betreibt Pester die Auflösung von Form und Inhalt in lose Fragmente, Spuren und Texturen, Relikte einer vormaligen Stil- und Bedeutungszuschreibung. „Ich mag es, wenn mir scheinbar vertraute Bilder entgleiten und den Boden unter den Füssen wegziehen.“ (Pester)

Der Ausstellungstitel heute afk legt die Durchlässigkeit der Gattung Malerei, die Durchdringung der Medien und den damit einhergehenden schnellen Wechsel zwischen Benutzeroberflächen, zwischen real und virtuell, analog und digital offen: away from keyboard bezeichnet in der Sprache des Computerspiels oder des Chats die Abmeldung von der Gruppe der Mitwirkenden, die „Abwesenheit von der Tastatur“. Damit verweist der Künstler gleichsam auf seine Position an der Schnittstelle zwischen Grafikdesign und Malerei, die diffuse Durchmischung visueller Eindrücke. Stets von Brüchigkeit gekennzeichnet, durchsetzt mit reichlich Selbstironie und Humor, vermeidet das Werk Pesters jeglichen geschlossenen, homogenen Stil, um in einer systematischen selbstreflexiven Praxis die Malerei selbst zum Gegenstand ihrer Auseinandersetzung zu machen, sie im wörtlichen Sinne auseinander-zu-nehmen, zu demontieren.


Künstler:
Ulrich Pester