Michael Kalmbach

mein Venus

14.01.17 bis 04.03.17

VERNISSAGE: 13. Januar 2017, 18 Uhr

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Die Thomas Rehbein Galerie freut sich, neue Werke von Michael Kalmbach zu präsentieren, die neben den charakteristischen Aquarellen auch Skulpturen aus Papiermaché, Radierungen und Collagen umfassen.

Schon die Kunsttheoretiker der Renaissance bekannten sich zur formgebenden Kraft des Flecks. Sie erkannten das Potenzial der Formlosigkeit unbestimmter Erscheinungen und regten angehende Maler dazu an, Gemäuer mit Flecken oder durchsetzt mit einer Vielfalt verschiedener Gesteinssorten eingehend zu betrachten, um durch das erkennende Sehen zu Bild(er)findungen zu gelangen. Flecken galten somit als Inspirationsquelle, als Impuls für die Imagination, aus der die Komposition gedeiht.

 Auch der Ausgangspunkt der aquarellierten Bildwelten Michael Kalmbachs ist eine Ansammlung unbestimmter, großflächig angelegter Kleckse. Auf feuchte Papierbögen tropft und spritzt Kalmbach in willkürlicher Manier koloriertes Wasser, wobei sich die überschüssige Flüssigkeit in Pfützen ansammelt, so dass während der Trocknung Ablagerungen von Pigmenten zu Farbinseln unterschiedlicher Intensität gerinnen. Dieser unregelmäßige, fleischfarbene Fleckenteppich ist der amorphe Nährboden, dem die Bildwelten Michael Kalmbachs entspringen. Aus den abstrakten Schlieren und Ablagerungen dieser fruchtbaren Ursuppe, mit der Kalmbach das Blatt bedeckt und in der alle potenziellen Formvarianten angelegt sind, ergeben sich scheinbar zufällig gestalterische Ausprägungen. Organisch anmutende Verdichtungen des Farbtons werden von Kalmbach punktuell mit dem Pinsel organisiert. Das ungebändigte All-Over wird strukturiert, Anordnungen von physiognomischen Merkmalen und Körperteilen lassen Gesichter und Gestalten erkennbar werden.

Es entstehen märchenhaft anmutende Szenarien, von traumwandlerischen, entrückten Knabengestalten bevölkert. Ihre Figur ist oft nur angedeutet, erscheint sich durch die flüssige Kontur schemenhaft an der Oberfläche abzuzeichnen um sogleich wieder zu verschwimmen, sich mit einer anderen Kurve zu vereinigen. Gliedmaßen tauchen aus wabernden Wolken auf und weichen wieder zurück (Puppenspieler). Es ist ein ewiges Werden und Vergehen, das hier in seiner Dynamik dargestellt zu sein scheint.

In dieser Kosmologie ist das Chaos bzw. der formlose Ursprung des Lebens nicht endgültig überwunden, sondern durchdringt in Manifestationen von Auflösung und Ambiguität immer wieder das Ordnungsgefüge. Eine kleine, vom restlichen Raum abgetrennte Kammer hat Kalmbach wie eine Höhle ausgestattet. Mit Collagen aus Zeitungspapier ausgekleidet ist hier das Arsenal anatomischer und amorpher Formen eingerichtet, aus dem geschöpft wird. Diese Kernzelle scheint den Urzustand symbiotischer Verschmelzung  zu symbolisieren, das schöpferische Potenzial, in dem sich form- und identitätsstiftende Grenzen noch nicht herausgebildet haben.

(aus einem Text von Bettina Haiss, 2016)


Künstler:
Michael Kalmbach (VITA)