Julia Jansen

Shirley Lumina Claire

13.01.18 bis 24.02.18

VERNISSAGE: 12. Januar 2018, 18 - 21 Uhr

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Julia Jansens Gemälde sind Bilder von Bildern. Durch bewusst gesetzte, sichtbare und eindeutig das malerische Medium entlarvende Pinselstriche lenkt Jansen die Aufmerksamkeit weniger auf den dargestellten Gegenstand, sondern verweist vielmehr auf die mediale Darstellungsform.

Die gezeigten Motive sind schnell genannt und ohne ikonografischen Mehrwert. Stattdessen wird durch zahlreiche Variationen eines Sujets Jansens Interesse für formale Fragen spürbar. Man trifft auf verschiedene Ansichten eines Rucksacks oder eines Zelts. Daneben bunte Spots, die sternenförmig in den Raum ausstrahlen und helle Scheinwerfer, die Nebelschwaden beleuchten.

Verschwommen, wie durch ein milchiges Fenster oder einen beschlagenen Spiegel betrachtet, sind die Gegenstände, deren weiche Kontur auch an die ungenaue Fokussierung bei der Fotografie denken lässt, durch verschiedene, sich überlagernde Malweisen verfremdet: Das Motiv löst sich in der Malerei auf, das Abbild weicht hinter der Abstraktion zurück. „Zelt“, „Rucksack“ oder „Bild“ leuchten fast übernatürlich, ihre teils flirrende Farbigkeit entzieht sich der naturalistischen Wiedergabe und scheint durch die Anwendung sämtlicher Filter bei der digitalen Bildbearbeitung generiert. Damit beinhalten die Gemälde Jansens selbst schon die Elemente ihrer Ent-Täuschung, verraten durch die Irritation des Sehsinns und die Verunsicherung der Wahrnehmung ihre traditionelle Funktion als Illusion. Mitunter evozieren sie die Assoziation einer Bildschirmdarstellung, während die analoge Malerei Mittel der digitalen Computersimulation aufgreift, welche die reale Existenz des sichtbaren Gegenstands selbst in Zweifel zieht und sich als bloßes Trugbild offenbart. Jansens Motive erweisen sich damit gleichsam als Vorwand, um die Indizien einer getrübten Illusion zu erfassen.

So bestehen die Darstellungen der Gruppe „Relief, Kuben“ aus vor- und zurückspringenden Quadern, deren Anordnung wie ein konstruktivistisches Fassadenrelief erscheint. Die verschiedenen Volumina, sowie der durch die plastischen Partien bedingte Wechsel von Licht und Schatten wird übertragen in ein Gefüge von Linien, Formen und Farbflächen. Hier ist das wiedererkennbare gegenständliche Sujet zugunsten der rein malerischen Motivation, dem Ausprobieren malerischer Möglichkeiten zurückgedrängt.

Jansens souveräne Technik lotet den schmalen Grat zwischen Sein und Schein aus. Statt den Fokus auf die sichtbare Realität und ihre konkrete Erscheinungsformen zu legen, betont Jansen die Einwirkungen auf den Sehsinn und damit die mit der Vermittlung des Bildes einhergehenden Einflüsse auf die Wahrnehmung. Nicht das Was, sondern das Wie der Wahrnehmung wird hier bildhaft veranschaulicht.
Zwischen Objekt und Betrachter schiebt sich das Bild, schleichen sich die Störungen und das Rauschen des Mediums in die Betrachtung ein, so dass hier kein reales, sondern ein „mediales Sehen“ (Velten Wagner) aufkommt.

In der jüngst entstandenen Werkgruppe „Spots“ erscheint genau diese Verschleierung Gestalt anzunehmen. Während Jansen vormals Gegenstände in ihrer materiellen Qualität bzw. Stofflichkeit wiedergegeben hat, um diverse Oberflächeneffekte zu erzielen, widmet sie sich nun ephemeren Erscheinungen: Mithilfe einer Nebelmaschine erzeugt Jansen diffuse Dunstschwaden, die sie mit einem Lichtstrahl punktuell beleuchtet und somit in die Sichtbarkeit überführt. Spiegelwände verdoppeln die geisterhaften Schleier, die sich kräuseln, ausdehnen und auflösen. Jansens dynamische Pinselführung und die aufwirbelnden Luftströme stimmen überein: Schwungvolle malerische Setzungen, lassen die transparent-lasierenden und die konzentrierten, mit weißer Farbe gesättigten Verdichtungen erkennbar werden.

Damit ist im selbstreflexiven Schaffen Julia Jansens die Malerei selbst Gegenstand ihrer Auseinandersetzung. Sie weist nicht über sich hinaus, sondern schärft vielmehr den Blick für Phänomene medialer Manipulation. Mit meisterhafter Hand führt Jansen den Gegenstand an die Grenze zur Auflösung in reine Malerei. Jansen schwelgt im Täuschungspotenzial dieser opulenten Malerei und scheut sich auch nicht ihre Werke als „luxuriös“ zu bezeichnen.

 

Julia Jansens paintings are essentially images of images. With deliberately placed, visible brushstrokes she draws attention not to the object depicted, but rather to the characteristics of the medium through which it is perceived, in this case, painting itself.

The subjects in question are quickly itemized and lack iconographic weight. Instead, they recur in multiple variations and serve as a pretext for Jansen to engage in formal questions. One encounters different views of a backpack or a tent, followed by colourful spots, their rays yielding a stellar contour, and bright headlamps illuminating clouds of fog. Instead of a naturalistic depiction, Jansen blurs contours as in an out-of-focus photograph and occasionally employs a color palette that recalls the brightness and glariness of computer screen image.

In including such effects of artificiality in her representation of objects, Jansen freely exposes the means of illusionism with a great mastery of technique to the point that she herself declares her paintings to be „luxurious“. Confronting the viewer with a mediated image, Jansen brings the filtered nature of perception to the fore of her artistic work.
 


Knstler:
Julia Jansen (VITA)